Samstag , 20 April 2019
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Wie die Schufa über Dein Leben entscheidet

Wiesbaden / Nordhessen – Es ist die Institution zur Abfrage von Bonität und Zahlungsverhalten. Jeder hat mit ihr zu tun. Fast jede Bank, jeder Dienstleister oder sogar der Vermieter vertrauen der Schufa Holding AG. Doch viele Daten in der Schufa sind falsch oder durch dubiose Inkassodienste oder Identitätsdiebstahl eingetragen worden. Die Opfer merken kaum etwas davon, denn die Schufa gibt sich zwar auskunfts-freudig, versperrt sich aber wenn es um die heiß geliebten und falschen Daten geht.h

So auch in einem Fall aus dem Landkreis Werra Meißner in Nordhessen. Ein 27-jähriger wollte sich nach seiner Ausbildung selbständig machen und ging hierfür auf die Hausbank, für einen Kreditantrag. Er selbst lässt jede Rechnung pünktlich via SEPA Lastschrift von seinem Konto abgehen, besitzt einen Dispokredit und eine Kredikarte. „Wer schaut schon regelmäßig auf seine Schufa?“ fragt er sich und bekommt eine böse Überraschung von dem Bankmitarbeiter. „Die Schufa war voll von negativen Einträgen, verschiedenen Adressen und Namen, mir war die Situation so peinlich!“

Nach einer Rückfrage bei der Schufa, kam dann eine Gesamtansicht der Datensätze. Sofort war klar, es handelt sich um Identitätsdiebstahl! Adressen aus verschiedenen Orten, Inkassodaten und angebliche Titel in rauen Mengen waren erkennbar. „Ich habe umgehend Anzeige erstattet. Die Polizei wusste sofort was los war und teilte mir sogar mit, dass es bereits eine verdächtige Person gibt, bei der bereits entsprechende Unterlagen und Beweise gefunden wurden“.

Mit diesen Informationen wannte sich der Nordhesse umgehend an die Schufa. Seine berufliche Existenz ist extrem gefährdet. Im Glauben, dass die Schufa reagiert, wartete er wochenlang auf Antwort, dann die erste Enttäuschung. Die Schufa löscht die Daten nicht, sie berufen sich darauf, dass die Schufapartner, einen Titel hätten. Die falschen Adressdaten könne man aber bereinigen. „Ich war völlig vor den Kopf gestoßen! Die falschen Adressen können sie löschen, aber nicht die dazugehörigen Negativeinträge“? Eine folgenschwere Entscheidung der Schufa. Der junge Mann, der sich 2 Jahre auf seine berufliche Existenz vorbereitet hatte, wird der Weg verwehrt. Da er sich im Rahmen eines Franchise selbständig machen wollte, versagt ihm der Mutterkonzern die Selbständigkeit, wenn die Schufa nicht frei ist. „So sind die vertraglichen Vorgaben. Da hilft es auch nicht, wenn ich entsprechende Schreiben der Polizei vorlege und die Ausreden gehen mir langsam aus!“

Muss die Schufa löschen, wenn es um Missbrauch der Identität geht?

Ja, sagt Rechtsanwalt Dr. Sven Tintemann, der auch den Nordhessen vertritt. „Bei dem Missbrauch der personenbezogenen Daten und der daraus resultierenden Eintragungen, ist die Schufa verpflichtet, die Daten zu löschen und den Schufa-Score neu zu berechnen.“ Meist stellen sich aber die Schufapartner quer und verlangen die Eintragung und den Erhalt der Daten. Im Fall aus Nordhessen, stellt sich aber auch die Schufa Quer und Antwortet mit Ausreden. Trotz laufendem Ermittlungsverfahren, Beweisen und entsprechender Indizien, bleibt die Schufa bei den Eintragungen. Selbst für Rechtsanwalt Dr. Tintemann nicht nachvollziehbar. Er und seine Kanzlei AdvoAdvice haben sich auf Probleme mit der Schufa spezialisiert und konnten bereits einer Vielzahl an Mandaten helfen.

Im Fall in Nordhessen, stellt sich die Schufa trotz polizeilicher Ermittlungen, Presseanfragen und der Bemühungen von Herrn Tintemann quer. Wir verfolgen den Fall weiter und erhoffen uns auch von der Schufa eine Klärung.

(Antenne Hessen Redaktion Nordhessen)

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